Atman: Die Photoausstellung von Bernd Kolb

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Aufmerksam geworden auf die Ausstellung bin ich über eine Schülerin von mir, die uns während einem von mir gehaltenen Philosophie Wochenende von der Ausstellung berichtete. Inhalt des Wochenendes waren u.a. die Upanishaden sowie auch verschiedene philosophische Systeme in Indien, die unweigerlich zu einem Begriff führten:

ATMAN, das ewige und unveränderliche Selbst.


Und so war es nicht verwunderlich, dass die Schülerin ein passendes Fotobuch hervorholte, dessen Bilder einen bereits in seinen Bann zogen. Meine Reise führte mich kurz darauf nach Berlin zu einer beeindruckenden Ausstellung.

Atman – Raum für Erfahrung

Einen „Raum der Erfahrung“ nennt Bernd Kolb seine Inszenierung und der Name macht der Ausstellung alle Ehre, denn die Erfahrung, die ich dort machte, war mehr als ich erwartet habe.

Auf der Webseite steht, dass Bernd Kolb mit der Ausstellung dazu einlädt, seinem wahren Selbst zu begegnen. So war ich also gewappnet, wollte ich doch endlich mein wahres Selbst finden. Ich hatte auch schon so meine Ideen, wie es sich anfühlen musste. Doch schlussendlich hatte ich nicht wirklich daran geglaubt, die Erfahrung wirklich selbst zu machen, wenn ich mir ein paar Bilder anschaue.

Dennoch war ich sehr neugierig, irgendetwas zog mich dort hin und am Ende fand ich es, die Erfahrung, die jeder in seinem Leben mindestens einmal machen sollte. Doch es war ganz anders, als ich es mir vorgestellt habe.

Das Besondere

Für mich war schon allein der Beginn der Ausstellung besonders, da man die Ausstellung nicht allein betritt. Zudem geht man still – also ohne zu sprechen – durch die Räume. Eine Begleitperson, die einen zuerst einweist und dann von Bild zu Bild begleitet, achtet darauf, dass man ruhig in einem bestimmten Tempo und auch mit Achtsamkeit und Respekt den nächsten Raum betritt und auch eine bestimmte Zeit bei einem Bild verbringt. Die Räume sind abgedunkelt und der Weg mit Kerzen beleuchtet, was dem Ganzen eine besondere Atmosphäre verleiht.

© Bernd Kolb

© Bernd Kolb

Der Weg

Bei den ersten Bildern war es für mich nicht so einfach, da ich die ganze Zeit das Gefühl hatte, etwas tun zu müssen. Die Dame hatte zuvor erklärt, man solle sich auf einen Punkt konzentrieren und wenn es schummrig und unscharf werden würde, sei es besonders spannend. So hatte ich also die ersten Bilder den Fokus darauf, einen Punkt und die „Unschärfe“ zu finden. Als ich diese nicht fand, fing ich an, an mir zu zweifeln. Ich hatte doch schon so viel meditiert, das konnte doch nicht so schwer sein. Zudem waren ja auch noch andere Leute im Raum, die ich natürlich auch wahrnahm. Was die wohl dachten oder sahen? Ob wohl einer bereits die Erfahrung machte, nach der ich mich so sehnte?

Wir gingen von Raum zu Raum und mit jedem Raumwechsel schaute ich dem Bild nach, das ich zuvor betrachten durfte. Interessante Gedanken gingen mir durch den Kopf. Wer die Personen wohl waren, ob diese erleuchtet sind und warum Bernd Kolb gerade diese ausgesucht hatte? Aber so richtig ruhig wurde es nicht, obwohl die Atmosphäre im Außen sehr ruhig und fast andächtig war. Ich konnte meine Gedanken fast hören.

Dann beschloss ich, dem einfach keine Beachtung mehr zu schenken. Ob Gedanken oder nicht, war ja letztendlich egal. Ich war ja wegen der Bilder hier. Also beschloss ich, einfach die Bilder zu bewundern und meinen Gedanken „freien Lauf“ zu lassen.
Und als ich dies tat, einfach neugierig, offen und frei hinschaute, geschah etwas Wunderbares.

Die Erfahrung

Auf einmal konnte ich in die Bilder eintauchen. Es war weniger ein betrachten von Details oder das Anschauen von beeindruckenden Bildern, sondern mehr ein wahrnehmen von der Energie, die sich dahinter verbarg. Als könnte ich durch die Augen des Fotografen blicken, der sich die Zeit genommen hatte, die Seele des Menschen einzufangen.

© Bernd Kolb

© Bernd Kolb

Und mit dem Eintauchen kam ein Gefühl hinzu, das sich mit inneren Worten hinterlegte. Die Worte kamen jedoch nicht aus meinen Gedanken heraus, sie entstanden vielmehr in meinem Inneren, aus diesem besonderen Gefühl heraus.

Ich konnte die Einheit mit allen Wesen dieser Erde fühlen und damit erkennen, dass es keine Trennung gibt, sondern wir einem Bewusstsein, einer Energie und einem Universum entspringen und wir dadurch verbunden und unweigerlich eins sind. Ich konnte das Bewusstsein wahrnehmen, das durch uns hier ist, um Erfahrungen zu machen, um dann irgendwann nach Hause zurückzukehren. Die Erfahrungen sind in jedem Menschen individuell und werden von jedem anders betrachtet.

Die Erkenntnis

Die Erkenntnis daraus ist, dass wir niemandem Rechenschaft schuldig sind dafür, wer wir sind, denn wir sind alle wundervoll und einzigartig. Wir müssen uns für nichts entschuldigen, solange wir es vor unserem höheren Selbst verantworten können. Das höhere Selbst, das universelle Bewusstsein, ist in jedem von uns verankert. Der eine kann es mehr, der andere weniger wahrnehmen. Aber jeder hat es.

Wenn Du Dich damit verbindest, kannst Du Deine innere Stimme, Deine innere Weisheit hören. Es gibt Menschen, die diese Verbindung verlieren, diese Menschen verdienen unser Mitgefühl und brauchen Weisheit von Außen, bis sie die Schleier abwerfen und den Zugang wieder spüren.

© Bernd Kolb

© Bernd Kolb

Wir sind hier, um zu genießen und nicht, um uns oder andere zu verurteilen. Wir können so viel Schönes erfahren, indem wir uns mit anderen verbinden, anstatt uns zu verschließen für die Schönheit der Seelen um uns herum. Und die schönste Verbindung in all dem ist die Verbindung zu uns selbst, dem göttlichen Teil in uns, der fortwährend mit der Quelle in Kontakt steht und somit zu allem, was da ist.

Es gibt keine Grenzen, außer denen, die wir uns selbst machen. Du kannst sein, wer immer Du sein willst, wenn Du aufhörst die Grenzen zu sehen, wenn Du die Angst vor dem Scheitern aufgibst und einfach der Mensch bist, der Du schon immer warst, bevor man Dir sagte, wer Du sein solltest.

Du hast einen Körper, für den Du dankbar sein kannst, denn er ermöglicht Dir Erfahrungen, die Du ohne ihn nicht machen könntest. Sei nett zu ihm, pflege ihn und behandele ihn gut. Aber nicht nur Dein Körper benötigt Aufmerksamkeit, auch Dein Geist und Deine Seele brauchen Zuwendung.

Gönne Deinem Geist hin und wieder eine Pause, um zu verarbeiten, was Du aufgenommen hast. Denn eine Schüssel, die Du fortwährend füllst, wird überlaufen früher oder später.

Atme und fühle Deine Seele in Dir und Du wirst spüren, dass Du eigentlich bereits glücklich bist und es nichts gibt, was Dich davon abhalten könnte, es sei denn, Du lässt es selbst zu.

Freiheit

Ich hatte erwartet, in Frieden aufzugehen und was ich fand, war Freiheit. Ich habe erwartet, mit dem Eintauchen in meine Seele bedingungslose Liebe zu allen Lebewesen zu finden aber was ich fand, war Selbstliebe. Ich habe erwartet, mit dem spüren der Einheit meinen Lebensplan zu sehen, was ich fand, war, dass es keinen wirklichen Plan gibt. Den einzigen Plan, den es gibt, ist, Du selbst zu sein und das Leben und Deine Talente hier in vollen Zügen auszukosten, jeder auf seine ganz eigene Weise.
You are the master of your life

© Bernd Kolb

© Bernd Kolb

ATMAN ist ein Begriff aus dem altindischen Sanskrit und bedeutet »Seele« im Sinne des wahren, individuellen Selbst des Menschen, das bei allen Wahrnehmungen, allem Denken und jedem Gefühl unvergänglich bleibt. In den mehr als 3000 Jahre alten vedischen Schriften – den Upanishaden – ist ATMAN der göttliche Funken in uns, die Wirklichkeit hinter allem Schein, frei von jeglicher Bindung und doch stets mit allem eins. Es handelt nicht, besitzt nicht, stirbt nicht. Es ist das allverbundene Wesen des Menschen, der Zeuge, jenseits von Zeit und Raum. Es verkörpert das Universum, das in uns ist. Es ist die absolute Essenz des Lebens.

Die Photoausstellung in Berlin läuft noch bis zum 30. September 2016. Ein Besuch lohnt!

4 thoughts on “Atman: Die Photoausstellung von Bernd Kolb

  1. Liebe Romana,

    der Artikel ist so interessant und Deine Erfahrungen so bildlich und gut beschrieben, dass ich ganz neugierig geworden bin. Da ich nicht nach Berlin komme (ich hoffe aber, dass die Ausstellung eine Wanderausstellung wird!), habe ich den Bildband gebraucht erstehen können und bin Dir sehr dankbar für die Inspiration! Denn schon das Betrachten der Bilder lässt einen tief eintauchen, ist so berührend und schön, vorausgesetzt man tut es in Ruhe und lässt sich Zeit beim Anschauen, dann zeigt sich wirklich was von „Atman“, eine wirkliche Seelenverbindung, die man spürt. So spüre ich es auch, wenn ein wirklicher Augenkontakt beim Sprechen mit einem Menschen da ist und man sich ganz auf den jeweils anderen Menschen einlässt für diesen Moment, es dabei zu einer Verbindung kommt, es ist ein kleines/grosses tägliches Glück, was gar nicht mehr so selbstverständlich ist, bei vielen so „flüchtigen“ Begegnungen. Es ist eine wunderbare Erfahrung, die man mit Hilfe dieses Bandes machen kann. Und ich habe es auch so empfunden, dass mich erst mal tausend Gedanken durchflossen und am Ende nur dieses wunderbare Gefühl der Verbundenheit blieb. Ich nehme mir im Moment täglich Zeit in eines der Bilder einzutauchen für mehrere Minuten, das Bild lasse ich offen zu Hause liegen und schaue es beim Vorbeigehen immer mal an und es begleitet mich durch den Tag, das ist meine Tagesmeditation derzeit und macht mich froh.

    Danke für Deinen Artikel und herzliche Grüsse,

    Andrea

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