Bryan Kest: Über die Eigenschaften der Yoga Praxis

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Die Eigenschaften der Yoga Praxis sind die Eigenschaften der Resultate. Dazu gehören Achtsamkeit, Atmung und Sanftmut.

Achtsamkeit

Die Achtsamkeit für die Atmung ist am wichtigsten. Damit das passiert, müssen wir uns fokussieren: weg von allen Gedanken und Ablenkungen, um uns auf das zu konzentrieren, was wir gerade in diesem Moment machen. Dadurch geben wir unserem Gehirn eine Pause von den konstanten, sich immer wiederholenden und unnötigen Gedanken, die uns permanent durch den Kopf gehen und uns von unseren Erfahrungen ablenken und zu mentalem Stress führen. Hier hören wir auch auf, unseren Geist wie gewöhnlich zu füttern. Wenn man aufhört, etwas zu füttern, verhungert es und stirbt. In anderen Worten, „die Eigenschaften und Gewohnheiten zu töten, die in großem Maße zu Krankheit und Trübsal in unserem Leben führen.“ Fokus bedeutet: „aufmerksam zu sein.“ Darauf zu achten, was man erlebt, führt zu einer erfüllenderen Erfahrung. In anderen Worten, man kann nicht von etwas profitieren, dem man keine Aufmerksamkeit schenkt. Wenn man seinen Erfahrungen Aufmerksamkeit schenkt, kann man intelligente Entscheidungen aufgrund der Gefühle treffen und dadurch Heilung erreichen, statt in alte, sich wiederholende Muster zu verfallen. Es gibt keinen Teil des Lebens, der nicht von einer erhöhten Aufmerksamkeit profitiert. Dies ist das ultimative Ziel des Yoga: Nutzen, Zufriedenheit und Verständnis in allen Aspekten des Lebens.

Achtsamkeit ist einfach zu verstehen, aber nicht einfach zu praktizieren, weil es entgegen der normalen Gewohnheiten unseres Geistes geht. Was immer man versucht, um die Gewohnheiten zu durchbrechen, es gibt Widerstand. Fokussierung ist schwierig. Bitte sei geduldig. Verfalle nicht in Frust oder Kritik oder Negativität; diese versuchen wir zu eliminieren, nicht zu fördern. Bring Deine Aufmerksamkeit einfach zurück zur Atmung. Wenn Du merkst, dass Du frustriert bist, Dich kritisierst, dann lächle und kehre mit Deiner Aufmerksamkeit zurück zu Deiner Atmung. Du musst geduldig sein und es immer weiter versuchen, dann wirst Du langsam merken, dass sich Dein Fokus verbessert und dass nicht nur während Deiner Yoga Praxis. Es wird sich auf alles auswirken und Du wirst das Leben in vollen Zügen genießen. Als Menschen, abgesehen von Grundbedürfnissen, gibt es für uns nichts Wichtigeres als Achtsamkeit oder Du nennst es „gegenwärtig sein“ oder einfach „aufpassen“ oder „das Leben in vollen Zügen genießen.“

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In der Stellung des Kindes kannst du dich wunderbar auf deinen Atem konzentrieren

 

Atmung

Wenn Aufmerksamkeit die transzendente Eigenschaft des Yoga ist, ist die Atmung ihr Zweck. Die Atmung ist aus verschiedenen Gründen signifikant. Erstens passiert sie genau jetzt. Dadurch werden wir ruhig, klar und präsent, wenn wir uns auf unsere Atmung konzentrieren.

Zweitens spiegelt die Atmung den Geist: wenn Du gestresst oder unglücklich bist, verliert die Atmung an Ruhe. Wenn Du ruhig bist, ist auch Deine Atmung ruhig. Wie wir wissen, kommt Gesundheit und Nutzen von einem ruhigen, friedlichen Geist – dem Gegenteil von Stress. Es ist also wichtig, eine ruhige Atmung zu behalten.

Drittens liegen sie meisten Mechanismen, die die Luft filtern, in unserer Nase. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass tiefe, gleichmäßige Atmung eine beruhigende Wirkung auf unseren Geist hat. Bei der Asana-Praxis sollte die Atmung also tief, gleichmäßig und ruhig durch die Nase erfolgen. Lass die Ruhe der Atmung das Barometer für Deine Yoga-Praxis sein. Denk dran, dass die Ruhe der Atmung die Ruhe des Geistes repräsentiert. Wenn Du die Ruhe verlierst und Spannung entsteht, werden die Übungen kontraproduktiv, weil Du Stress erzeugst, der die Reaktivität des Geistes nährt, der Ursache für Stress, und dadurch den Körper verletzt. Die Anstrengung der Atmung, wie auch den Augen, den Lippen, dem Kiefer, dem Nacken etc. kann nicht auffallen, wenn man nicht aufmerksam ist, weil es normal geworden ist.

Eine tiefe, ruhige Atmung hilft dabei, Aufmerksamkeit zu schaffen, stärkt unsere Gelassenheit auch in herausfordernden Situationen. Es wäre schwer, Dich selbst oder andere zu verletzen, wenn Du aufmerksam bist. Mit Aufmerksamkeit arbeiten wir also mit der Atmung. In einer heilenden Yoga-Praxis nutzen wir Ruhe und Sanftheit als Instrumente. Mit Ruhe und Sanftheit verbessern wir jeden Aspekt und jede Beziehung, nicht nur die, die wir mit unserem eigenen Körper haben.

Zusätzliche Info: Ruhig zu sein, durch frei fließende Atmung, genauso wie sanft zu sein, heißt nicht, sich nicht herauszufordern. Das Niveau physischer Anstrengung sollte auf Dein Energielevel abgestimmt sein und von Deiner Stimmung abhängen. Wenn Du hart arbeiten möchtest, mach es; wenn Du es leicht angehen möchtest, gerne. Was immer Du entscheidest, bleib ruhig, überanstrenge Dich nicht. Deine Atmung wird also durch Deinen Sauerstoffbedarf gesteuert. Denk dran, ich habe nicht gesagt, dass Du langsam atmen sollst. Ich habe nur gesagt, dass Du tief und frei atmen sollst.

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Achtsamkeit, Atmung und Sanftmut sind für Bryan Kest die Eigenschaften der Yogapraxis

 

Sanftheit

Wenn Aufmerksamkeit die transzendente Eigenschaft ist und die Atmung das Instrument, dann ist Sanftheit die Art und Weise der Yoga-Praxis. Es ist eine Kombination von Freundlichkeit, Ruhe und Achtsamkeit. Wenn Heilung das Ziel ist, dann ist Sanftheit der Weg. Rational gesprochen, je härter Du bei etwa bist, desto eher wirst Du müde. Es körperlich zu übertreiben, kann den gegenteiligen Effekt haben, als beabsichtigt. Gelenke verschleißen, Muskeln geben nach, das Energieniveau fällt. Sanft zu praktizieren hat einen positiven Effekt auf unsere Lebensdauer. Innerhalb des Konzepts, sanft mit uns umzugehen stoßen wir auf die Idee der Mäßigung.

Es scheint, dass Mäßigkeit ein Nebenprodukt der Sanftheit ist. Mäßigkeit ist ein anderes Wort für Balance, und Gesundheit ist ein Zustand der Balance. Balance ist friedlich und Harmonie, alles Ziele des Yoga. Sanftheit ist nicht nur eine Art zu handeln, sondern auch ein Geisteszustand. Ein Zustand, den alle Großen erlangen. Ein Zustand, der nichts verletzten will. Ein Zustand von Freundlichkeit. Sanftheit ist die Eigenschaft hinter der Handlung. In anderen Worten, Du musst streng sein in Deiner Handlung, um Deine Intention zu erreichen. Du musst Dich selbst herausfordern oder die Situation. Du musst rau sein. Aber egal wie es aussieht, die Eigenschaft dahinter ist sanft und freundlich.

Während einer Yogapraxis von Bryan beschlagen gerne die Scheiben im UNIT Yoga

Während einer Yogapraxis von Bryan beschlagen gerne die Scheiben im UNIT Yoga

Eine körperliche Praxis ist eine Praxis, die dafür gemacht ist, den Körper zu erhalten und zu schützen. Auf physischer Ebene ist dies nicht möglich, wenn Du unsensibel, aggressiv oder missbräuchlich bist. Denk daran, je härter Du Dir selbst oder anderen gegenüber bist, desto schneller der Verschleiß, nicht der Aufbau. Heutzutage scheint Sport dazu da zu sein, den Körper an bestimmte Standards von Kraft, Flexibilität, Größe und Aussehen anzupassen. Es scheint, Gesundheit wird fälschlicherweise vom Aussehen abgeleitet. Was ich beobachtet habe ist, dass sich viele fertig machen oder krank, um gut auszusehen. Es scheint, dass diese Denkart den Weg ins Yoga gefunden hat. Erinnere Dich, der Zweck dieser Praxis ist es nicht stark, jung, hübsch oder schlank zu sein. Der Zweck ist Wellness und die Tür dorthin ist die Sanftheit.

Verletzungen treten auf, wenn unsere Yoga-Praxis alles andere als sanft ist. Es wird sehr schwer, Dich selbst oder andere zu verletzen, wenn Sanftheit die Priorität ist!!!

Nichts sollte schmerzlich sein! Das ist der Körper, der eine klare Nachricht schickt, aufzuhören. Dies ist das andere Barometer, das zeigt, ob Du sicher praktizierst.
Denk daran, „Es gibt keine Heilung, wenn Du nicht honorierst, was Du fühlst!“ Sei also „achtsam“ dass die „Atmung“ frei fließt und fass Dich überall „sanft“ an.

Namasté,
Bryan

„Unser Lehrer Bryan Kest inspiriert uns mit seinen Ansichten zur Yoga-Philosophie. Daher freuen wir uns, dass er uns sein Vertrauen schenkt und wir seine Texte übersetzen und auf unserem Blog veröffentlichen dürfen.“
Romana & Holger Zapf

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