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Keine Angst, auch wenn „Herz über Kopf“ im UNIT Yoga Wochenthema ist, muss man nicht unbedingt nur im Kopf- oder Handstand stehen. Neben dem Schulterstand sind z.B. auch der Herabschauende Hund, die Vorbeuge im Stehen oder die Schulterbrücke Umkehrhaltungen.
Während dieser Umkehrstellungen steht die Welt sozusagen Kopf, das macht einen in der Regel wach sowie aufmerksam. Die Organe oberhalb des Herzens, also auch das Gehirn, werden stärker durchblutet, das Herz-Kreislaufsystem entlastet.

Aber natürlich passiert bei solchen „Herz über Kopf“ Asanas noch viel mehr – je nachdem, aus welchem Blickwinkel man sich der Sache nähert bzw. wo man seine Aufmerksamkeit hinlenkt. Einen kleinen Einblick in diese yogische Vielfalt möchte ich euch hier geben.

Achtsamkeit & Philosophie

Wir können den Fokus auf die Atmung legen und uns fragen: Wie verändert sich der Atem, wenn das Herz über dem Kopf ist? Welche Veränderungen kann man zwischen stehenden, sitzenden oder liegenden Umkehrhaltungen beobachten?
In Umkehrpositionen muss der Kugelmuskel, also das Herz, maximal kontrahieren, wodurch es auf Kraft und Ausdauer trainiert wird. Wer möchte, kann also die Achtsamkeit in sein Herz schicken und dem Herzschlag folgen.

Aus philosophischer Sicht können wir uns beispielsweise fragen, was denn „Herz über Kopf“ eigentlich bedeutet. Heißt das, wir müssen den Kopf ausschalten und mehr auf das Herz hören? Und falls ja, was würde das bedeuten? Und wenn wir dies in der Yogaclass versuchen, sollten wir beobachten, was uns vielleicht immer wieder „weg vom Herzen“ bringt.

romana

Anatomie, Energie & Emotionen

Jede Asana mit dem Herzen über dem Kopf bringt andere anatomische Anforderungen mit sich. Oft spielt die Körperspannung eine wichtige Rolle (Schulterstand oder Handstand) oder man muss mehr loslassen (stehende Vorbeuge). Es werden unterschiedliche Muskeln aktiviert und gedehnt. Je nachdem ist mehr oder weniger muskuläre Kraft nötig, um auch alle Körperteile in eine für uns optimale Ausrichtung zu bringen und zu halten. Gerade bei Herz über Kopf ist es wichtig „im Gefühl zu haben“, dass der Kopf richtig ausgerichtet ist, um den Nacken zu schützen.

Im Yoga leiten wir die Energie immer nach oben. Doch wo ist eigentlich oben, wenn der Kopf unten ist? Wie können wir Pranayama hier gezielt einsetzen? Auch die energetische Betrachtung kann ein spannender Fokus der Yogapraxis sein.

Auf die Psyche wirkt die ein oder andere Umkehrhaltung oftmals beängstigend. Während die Welt in diesem Moment wortwörtlich Kopf steht, fürchten wir, auch andere Dinge im Leben könnten aus den Fugen geraten. Deswegen sind wir besonders wach und aufmerksam, um die Kontrolle sowie das Gleichgewicht zu halten. Darin liegt die Möglichkeit des inneren Wachstums – Mut und Selbstvertrauen werden gestärkt.
Abgeleitet davon ist die Selbstreflexion ein interessanter Ansatz: Wir können während eines Kurses hineinspüren was z.B. ganz viele stehende Vorbeugen oder verschiedene Umkehrhaltungen emotional, auf geistiger Ebene, bewirken.

Wie ihr nun sicher festgestellt habt, kann man allein bei diesen Beispielen schon viel praktizieren. :) Darum auf die Matte fertig los – spüren, fühlen, entdecken und dabei mehr zu sich selbst finden.