Meditation ist wie Zähneputzen

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Auf den ersten Blick ein ganz komischer Satz! Vielleicht denkst Du jetzt: wie kann man die Meditationspraxis mit so einer Alltagstätigkeit wie Zähneputzen vergleichen? Vielleicht bedeutet Mediation für Dich 20, 40, 60 Minuten still plus gerade zu sitzen und so lange würdest Du Dir ja schließlich nie die Zähneputzen? Vielleicht denkst Du auch, dass Meditation nur etwas für fast Erleuchtete ist? Dann ist dieser Artikel genau das Richtige für Dich, denn Zähneputzen und Meditation haben mehr gemeinsam, als man es auf den ersten Blick denkt.

Putze Dir regelmäßig täglich die Zähne

Und genau so ist es mit der Mediation auch. Die Regelmäßigkeit ist das Entscheidende. Es nützt beim Zähneputzen ja auch nicht so richtig viel, wenn man einmal die Woche 30 Minuten die Zähne putzt. Die tägliche Reinigung ist das Wichtige.
Genauso verhält es sich mit der Meditation. Die Regelmäßigkeit ist viel entscheidender als die Dauer der Mediation. Ich habe neulich einen kleinen Film von dem Mönch Mingyur Rinoche gesehen, der sogar sagt, man kann überall meditieren – beobachte einfach für ein oder zwei Atemzüge den Geist und beschäftige ihn damit. Und er hat vollkommen recht: Deswegen ist es nicht so wichtig wie lange Du meditierst, sondern dass Du regelmäßig meditierst. So kultivierst Du eine Gewohnheit und es fällt Dir im laufe der Zeit viel leichter Dich auf Knopfdruck auf Dich und Dein Meditationsobjekt zu konzentrieren und alles andere loszulassen. Deswegen erscheinen einem oft Menschen, die regelmäßig meditieren viel ruhiger, als diejenigen, die nicht meditieren. Es sind weniger „von Natur aus“ ruhige Menschen, die eben meditieren, sondern sie haben diese Ausstrahlung weil sie meditieren. Das ist sicher nicht vom ersten Tag an gegeben und auch nicht in allen Situationen, aber die Klarheit nimmt im Laufe der Zeit immer mehr zu. Und mehr Klarheit führt zu mehr innerer Ausgeglichenheit und damit zu mehr Ruhe!
Hier der Link zum Video von Mingyur Rinoche.

Putze die Zähne mindestens 3 Minuten

Genau so lang sollte Du mindestens meditieren.
OK, Mingyur Rinoche sagt, es reicht auch nur einen Atemzug lang sich auf die Atmung zu konzentrieren und so zu meditieren, aber gerade zu Beginn der Meditation, können wir das nicht unbedingt aus dem Stehgreif. Ein kleines Ritual, welches Deine Mediation einleitet, hilft dem Geist sehr die lärmenden Alltagsgedanken etwas stiller werden zu lassen. Deswegen empfehle ich mindestens drei Minuten Meditation täglich. Auf dem nach Hause weg rechts ran fahren, den Motor ausmachen, das Radio und das Handy abschalten , die Augen schließen und dann drei Minuten in seiner Mediationstechnik meditieren. …Kultivieren wir solche Pausen ganz bewusst und bauen wir sie in unser Leben ein, so erleben wir den Feierabend ganz anders. Die Kinder sind vielleicht immer noch laut, die Wohnung unordentlich und die Wasserkisten müssen in die Wohnung getragen werden, aber wir sind klarer, ruhiger und glücklicher. Und oft harmonisiert sich dadurch auch unsere Umwelt.
Auch in der Meditation hilft also viel nicht unbedingt viel. Im Gegenteil: Der Gedanke „…eigentlich müsste ich heute noch 30 Minuten meditieren“ erzeugt oft noch mehr Stress sowie ein noch schlechteres Gewissen. Darüber hinaus schlägt uns unserer Geist manchmal ein Schnippchen und möchte uns davon abhalten zu meditieren. Denn schließlich lernen wir durch die Meditation nicht mehr so sehr auf die lärmenden, vom Geist produzierten Gedanken zu hören, sondern viel mehr auf das was unsere Seele zu uns flüstert. Das findet der Geist nicht gut und versucht uns deswegen von der Meditation abzuhalten.
Nehmen wir uns also vor täglich nur drei Minuten zu meditieren, gibt es dafür wenig Ausreden. Das sieht schon anders aus, wenn wir uns vornehmen täglich 20 oder gar 30 Minuten zu meditieren. Da fallen dem Geist ganz viele andere Dinge ein, die in der Zeit gemacht werden könnten. Doch selbst dann, wenn wir uns vornehmen täglich drei Minuten zu meditieren, werden die Ausreden kommen, aber wir können ihnen dann mit Entschlossenheit und Klarheit begegnen.

Zähneputzen zur Gewohnheit werden lassen

Ich empfehle in den Momenten, in denen uns unser Geist ein Schnippchen schlägt darüber nachzudenken, wann wir das letzte mal zu uns gesagt haben: „Oh man, heute Abend muss ich mir schon wieder die Zähneputzen…und der Backenzahn hinten links, nein, wie anstregend, darauf habe ich ja überhaupt keine Lust …und die Weisheitszähne erst…“ 🙂
Das passiert uns nicht, denn Zähneputzen ist für uns zu einer Alltagsroutine geworden. Zumindest an 363 Tagen im Jahr putzen wir uns mindestens 2x täglich (hoffentlich) die Zähne ohne groß darüber nachzudenken. Es ist ein Ritual, das zur Morgen- und Abendtoilette gehört.
Genauso können wir uns angewöhnen täglich zu meditieren. Ein Ritual, über das wir nach einiger Zeit dann auch nicht mehr groß nachdenken müssen. Das bestätigt auch die Wissenschaft. Motivieren wir uns eine neue Gewohnheit in unser Leben zu integrieren, so wird es nach frühestens 18 Tagen zu einem Ritual. Und am besten entwickeln wir eine neue Gewohnheit, in dem wir sie immer zur selben Tageszeit durchführen, mit einer anderen Handlung verknüpfen (z.B: direkt nach dem Zähneputzen) uns nicht zu viel auf einmal vornehmen und uns belohnen. Das Beste ist, die Meditation bringt ihre Belohnung gleich mit. Denn was gibt es schöneres als mehr Glück, Ruhe, Ausgeglichenheit und Entspannung mit in den Alltag zu nehmen und den Alltag dann in viel mehr Harmonie zu meistern?
Deswegen ist Meditation wie Zähneputzen, probiere es am besten gleich mit diesem Video aus!

About Holger Zapf

Holger Zapf hat zusammen mit seiner Frau Romana Lorenz-Zapf das UNIT Yoga gegründet. Gemeinsam haben sie zwei Yogastudios in Hamburg und Wiesbaden und bilden bundesweit Yogalehrer aus. Holger ist Diplomsportwissenschaftler und hat Philosophie studiert. Mehr Info

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