Yogatherapie – Mein Ausbildungsbericht

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Yogatherapie. Das klingt schon sehr professionell, finde ich. Reizvoll, interessant – mit Sicherheit hilfreich für die eigene Praxis und das Unterrichten. Doch kann diese Ausbildung erfüllen, was sie zu versprechen scheint? Inwiefern kann ich danach yogatherapeutisch mit Menschen arbeiten?
Klar, als Yoga Lehrer ohne therapeutischen Hintergrund darf man nicht therapeutisch arbeiten. Deswegen richtet sich diese Ausbildung auch an Yogalehrer, die einfach mehr über Krankheitsbilder lernen möchte, versteh wollen was im Körper passiert und mit „sportgesunden“ Menschen nach Erkrankungen oder OP´s präventiv arbeiten wollen. Die Die Yogatherapie Aufbau-Ausbildung im UNIT Yoga besteht aus 5 Modulen à 5 Tagen, die sich über 2,5 Jahre verteilen. Inhaltlich widmen sich die Ausbildungswochen:

  • den unteren Extremitäten
  • der Körpermitte
  • dem Oberkörper
  • Spezialübungen
  • der Stressprävention

Gründe für die Yogatherapie

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Studieren im Skript

Meine Motivation begründet sich darauf, dass ich gefühlt immer mehr Leute in meinen Kursen habe, die mir von ihren kleineren oder größeren Beschwerden bzw. Krankheiten berichten. In der 200h Yogalehrer Ausbildung lernt man zwar ganz gut die Anatomie kennen und auch einige häufig auftretende Krankheitsbilder, von welchen man grob weiß, welche Asanas hier gut oder schlecht sind – aber da gibt es deutlich Potential an zusätzlichem Wissen.
Zudem geht es mir so, dass ich gut weiß, wie Asanas ausgeführt werden sollen und auch warum, aber was dabei genau anatomisch betrachtet passiert, fehlt mir dann doch manchmal:
Einfache Beispiele dafür:
Im Krieger 1 soll das Knie über dem Knöchel sein. Ein spitzer Winkel oder wenn das Knie nach innen „wegkippt“ sind beides suboptimale Belastungen und schlecht fürs Knie. Ja aber wieso eigentlich?
Oder: beugt man mehr die Knie in der Vorbeuge (sitzend oder stehend), dann hat man mehr Spielraum im Rücken, um tiefer zu sinken. Welche Muskeln stehen sonst im Weg und warum?
Die Umfrage unter den Kursteilnehmern am ersten Tag brachte unter anderem noch folgende Antworten. Einige Yogis geben Personal Trainings und sind dort bei diversen Krankheitsbildern an Grenzen gestoßen. Andere haben kürzlich den Personal Trainer als Zusatzausbildung gemacht und das Yogatherapie-Modul schien ihnen die weitere „perfekte Ergänzung“.

Modul: Untere Extremitäten – der Fuß

Die ersten zwei Tage haben wir uns intensiv mit dem Fuß beschäftigt. Nach dem Betrachten, Ertasten und Massieren diverser Füße erspürten wir die Knochen und fanden sowie beklebten die wichtigsten Muskeln. Richtig, so war dann auch der ganze Unterschenkel mit roten Streifen versehen, denn hier verlaufen Fußheber Tibialis Anterior & Co.

Yogatherapie der Fuß

Voller Körpereinsatz beim Abkleben der Muskeln

Die Bedeutung der Fußgewölbe brachte uns über Senk- und Spreizfuß bis hin zu Krankheitsbildern wie den Hallux. Hier hatten wir auch ein paar schöne Beispiele unter den Teilnehmern. So konnte Ausbilder Holger Zapf gleich demonstrieren wie man mit wenigen (gekonnt) ausrichtenden und aktivierenden Handgriffen den Fuß in Position bekommt.

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Natürlich blieb es dann nicht isoliert beim Fuß, sondern bei allen Fußfehlstellungen analysierten wir die Wirkung auf das Knie bzw. weiter bis zur Hüfte und über die Wirbelsäule zu den Schultern.
Verschiedene einzelne Fußübungen zur Kräftigung, Dehnung und Mobilisation sowie eine Yogapraxis mit dem Fokus auf den Fuß waren unter anderem Teil der beiden Tage.
Mein Wow-Erlebnis der ersten Tage war die Massage der Waden im herabschauenden Hund mit angebeugten Beinen. Durch das Massieren können sich hier Verspannungen lösen und man kann mit den Fersen weiter zum Boden kommen. Das war ein Effekt, der sich bei mir sofort einstellte. Ich hätte nicht gedacht, dass ich dort Verspannungen sitzen habe und auch nicht, dass eine Massage so weh tun kann 😉 Bis dahin hatte ich nie viel von Massagen oder der Blackroll an sich gehalten, aber das fing sich hier an zu ändern und sollte die nächsten Tage noch weiter gehen.

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Modul: Untere Extremitäten – das Knie

Das arme Kniegelenk hat so ein bisschen die „A***karte“ zwischen Hüfte und Fuß, zwei Gelenken mir recht viel Spielraum 😉
Von daher leidet unser größtes Gelenk öfters unter den Problemen von Hüfte oder Fuß, welche es ungünstig ausgleicht: So kommt es zum Beispiel zu O- und X-Beinen oder es entsteht Arthrose.
Besteht von „oben oder unten“ keine Gefahr, kann man sich am Knie aber immernoch leicht die Kreuzbänder oder auch mal die Seitenbänder reißen. Aber Spaß beiseite, es gibt dafür viele tolle Muskeln, welche das Knie umspannen und diesem Stabilität geben. Diese gilt es ziel- und achsengerecht zu trainieren.

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Modul: Untere Extremitäten – die Hüfte

Der Hüfte wurden, wie dem Knie, insgesamt 1,5 Tage gewidmet. Ein Gelenk mit viel Bewegungsspielraum, den stärksten Bändern und vielen Muskeln, die oft mehrere, manchmal sogar widersprüchliche Funktionen haben. Die Krankheitsbilder sind zudem sehr komplex. Manche Ausbildungsteilnehmer waren auch der Ansicht, dass man für die Hüfte noch mal einen halben oder ganzen Tag mehr gut hätte brauchen können.
Ansonsten „verwöhnten“ wir uns mit tollen Trigger-Point Massagen und Dehnungen für Piriformis sowie Gluteus Medius & Minimus. Was alles für Schmerzen und Probleme alleine durch Verspannungen dieser Muskeln auftreten können, ist wirklich erstaunlich. Und ebenso erstaunlich, wie schnell & einfach man hier gezielt mit Yogatherapie helfen kann.IMG_1639

 

Fazit

IMG_1676Abschließend komme ich nochmal zu meiner Ausgangsfrage zurück, ob die Ausbildung einen wirklich in die angewandte Yogatherapie begleitet. Das Fazit – nur auf das erste Modul bezogen- ist „ein klares Jain“ 😉 (insider)
Denn: Ich -und sicher die meisten anderen Teilnehmer- wissen logischer Weise nicht direkt alles oder können es umsetzen. Natürlich muss man sich manch Theorie nochmal erarbeiten, wobei ein paar ganz speziellen Fälle darf man sicher gut und gerne nachschlagen, sollten sie einem mal begegnen 🙂 Heilsam ist es da zu wissen, dass wir mit „sportgesunden“ Menschen arbeiten dürfen. Das nimmt viel Druck. Die Ausbildung hat meinen Respekt vor den therapeutischen Berufen noch einmal verstärkt.
Doch wir alle hatten das Gefühl richtig viel an Wissen und Infos im Laufe der Woche erhalten zu haben und auch viel, was wir in der Praxis direkt umsetzen können – was ich gleich bei meinem nächsten Kurs merkte. Daneben gibt es sicherlich auch Dinge, die etwas Erfahrung brauchen und die wir jetzt einfach praktizieren müssen.

 

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