Bandhas im Yoga – Weshalb sie so wichtig sind

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Im Yoga-Unterricht hört man immer wieder, dass man seine „Bandhas setzen“ oder „binden“ soll. Ich selbst konnte mit dieser Ansage lange nichts anfangen – bis ich meine 200h Ausbildung zur Yogalehrerin begann und endlich verstand, was es mit den Bandhas auf sich hat.

Was sind Bandhas?

„Bandha“ ist Sanskrit und bedeutet Bindung, Verschluss, Kontraktion. Gemeint sind damit sogenannte „Energieverschlüsse“. Durch das Zusammenziehen, also das Binden bestimmter Muskeln soll die Lebensenergie („Prana“) im Körper festgehalten und gesteuert werden.

Die drei Haupt-Bandhas:

  • Mula Bandha – der Wurzelverschluss
  • Uddiyana Bandha – die Bauchkontraktion
  • Jalandhara Bandha – der Halsverschluss / das Kinnschloss

Bindet man diese drei Bandhas gleichzeitig, wird dies Maha Bandha („das große Bandha“) genannt.
Die drei Bandhas haben nicht nur auf energetischer Ebene einen bedeutenden Stellenwert im Yoga, sondern auch auf anatomischer Ebene. Denn mit Hilfe der Bandhas können Asanas noch korrekter ausgerichtet werden und Fehlhaltungen werden vermieden.

Mula Bandha – der Wurzelverschluss

Soll Mula Bandha gesetzt werden, ist damit die Kontraktion der Beckenbodenmuskulatur gemeint. Außerhalb des Yoga schenken die meisten Frauen der Beckenbodenmuskulatur höchstens während der Schwangerschaft ihre Aufmerksamkeit – Männer hingegen kommen mit ihrem Beckenboden noch seltener in Berührung.
Typischerweise wird das Binden von Mula Bandha so erklärt, dass man sich vorstellen soll, man müsse zur Toilette – es ist aber keine Toilette in der Nähe und die Schließmuskeln müssen angespannt werden. Durch das Setzen von Mula Bandha kann das Prana nicht nach unten entweichen, sondern wird nach oben gezogen und im Körper gehalten. Aber auch anatomisch hat die Aktivierung der Beckenbodenmuskulatur wichtige Funktionen: So werden Steiß- und Kreuzbein nach unten gezogen, wodurch der Rücken lang und ein Hohlkreuz verhindert wird. Gleichzeitig gewinnen die Lendenwirbel an Stabilität.

Yoga Baum4

Im Baum werden Mula und Uddiyana Bandha gesetzt.

Uddiyana Bandha – die Bauchkontraktion

Um Uddiyana Bandha zu setzen, wird der untere Bauch (etwa 2 cm unterhalb des Bauchnabels) nach innen in Richtung Wirbelsäule gezogen. Die Lebensenergie wird durch das Binden von Uddiyana Bandha durch die Sushumna, dem wichtigsten Energiekanal, der durch die Wirbelsäule verläuft, hinaufgedrückt. Zudem werden die Bauchorgane massiert, wodurch Verstopfungen und andere Symptome im Magen-Darm-Bereich gelindert werden können. Das Verdauungsfeuer (Agni) wird angeregt.
Außerdem wird der Rücken durch das Setzen von Uddiyana Bandha stabilisiert und die Bauchmuskulatur gekräftigt.

Jalandhara Bandha – der Halsverschluss / das Kinnschloss

Jalandhara Bandha wird nur vereinzelt bei Asanas gesetzt, beispielsweise in der Brücke oder im Schulterstand. Vornehmlich kommt das dritte Bandha bei Atemübungen (Pranayama) zum Einsatz. Um Jalandhara Bandha zu setzen, wird der Brustkorb nach vorne geschoben und das Kinn auf die Brust, zwischen die Schlüsselbeine, gesenkt. So wird verhindert, dass Prana, die Lebensenergie, nach oben entweicht.

n der Schulterbrücke wird Jalandhara Bandha aktiviert, gleichzeitig Mula und Uddiyana Bandha - zusammen also Maha Bandha.

In der Schulterbrücke wird Jalandhara Bandha aktiviert, gleichzeitig Mula und Uddiyana Bandha – zusammen also Maha Bandha.

Bandhas intensivieren die Asana-Praxis

Am Anfang ist es nicht leicht, die Konzentration während der Asana-Praxis aufrecht zu erhalten und Mula und Uddiyana Bandha durchgängig zu setzen. Mit der Zeit und Übung wird dies aber immer einfacher. Im Rahmen meines letzten Ausbildungswochenendes der +300h Ausbildung, in der ich aktuell stecke, legten wir einen besonderen Fokus auf diese beiden Bandhas. Auch den erfahrenen Yogalehrern fiel es nicht leicht, die Bandhas durchweg zu halten. Holger, der das lange Ausbildungswochenende leitete, erinnerte uns in der Asana-Praxis immer wieder an das Halten von Mula und Uddiyana Bandha. Die komplette Ausbildungsgruppe hat während der vier Ausbildungstage gemerkt, wie sehr das Setzen der Bandhas die Praxis intensiviert. Selbst die einfachsten Asanas wie Samasthiti (der aufrechte Stand) und Tadasana (der Berg) wurden mit der korrekten Ausrichtung, um die es an diesem Wochenende ging, so richtig schweißtreibend. Das Gelächter war groß, als Holger kurz vor der Endentspannung, Savasana, darauf hinwies, dass nach 2 Stunden intensiver Yoga-Praxis nun zum ersten Mal der Moment gekommen sei, in dem wir unsere Bandhas wieder lösen sollten. Durch das Ausbildungswochenende wurde uns allen außerdem noch einmal bewusst, wie sehr das Körperbewusstsein durch das Setzen der Bandhas wächst und wie wichtig das Setzen der Bandhas in der Yogapraxis ist – sowohl auf energetischer, als auch auf anatomischer Ebene.

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